VERGISS DICH NICHT
Es ist schon ein „Starkes Ding“, was diese Künstlerin uns da vorgelegt hat. Ihr Buch (Edition Moderne) handelt von den Jahren ihres Vaters als „Verdingbub“ in der Schweiz, wo er auf einem Bauernhof Kinderarbeit verrichten musste – so würde man die damals weithin akzeptierte Praxis wohl heute nennen. Mit starken Strichen zeichnete Lika Nüssli ein Bild der Nachkriegszeit, das ihr mehrere lobende Erwähnungen bei französischen Comicfestivals und einen Schweizer Literaturpreis einbrachte.
In ihrem neuen Buch „Vergiss dich nicht“, das mit etwas Glück pünktlich zu den Stuttgarter Comictagen erscheint, geht es in rohen Zeichnungen um die demenzkranke Mutter – auf Schweizerdeutsch.
Jetzt hat Lika Nüssli es mit ihrem nächsten, noch entstehenden Werk „Alles Liebe“ in die Finalrunde des Comicbuchpreises der Berthold-Leibinger-Stiftung gebracht. Jurorin und Literaturhaus-Leiterin Stefanie Stegmann unterstreicht, dass Lika Nüssli dabei „originell und eigensinnig Begehren, Lust und Körperlichkeit ins Bild [setzt]. Verletzlichkeit und Einsamkeit verschweigt sie dabei nicht. Dennoch ist der Comic nicht auf den individuellen Schmerz zu reduzieren, sondern entfaltet einen herrlichen Bild- und Sprachwitz – und das alles in einem Zeichenstrich, der sich ebenso wenig kontrollieren und einhegen lässt wie Begehren, Sehnsucht und Liebe.“
Lika Nüssli, 1973 in Flawil (Schweiz) geboren, studierte nach einer Ausbildung zur Textildesignerin Illustration an der Hochschule für Gestaltung Luzern und arbeitet seit 2003 als freischaffende Künstlerin in St. Gallen – in Malerei, Zeichnung, Performance und Graphic Novel. Ihr Buch über die Jahre ihres Vaters… mehr